Dom bei der IRONMAN WM auf Hawaii - TVB 09
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Dom bei der IRONMAN WM auf Hawaii

Dom bei der IRONMAN WM auf Hawaii

Dieser Bericht kommt von Dom Rueß, dem als bislang erster und einziger TVB09-Triathlet die Qualifikation zum IRONMAN Hawaii, der Weltmeisterschaft, gelang. Unten gibt es noch eine Galerie, es lohnt sich daher weiterzulesen.

Vorbereitung

Vor dem Ironman Frankfurt war nach dem Ironman Frankfurt. Naja nicht ganz. Einerseits hatte ich immerhin 3 Monate, um mich auf den nächsten Ironman vorzubereiten, andererseits ließ ich in Frankfurt viel Motivation der letzten Jahre liegen. Direkt zum Ironman Frankfurt endete auch ein berufliches Projekt und mit beiden Ereignissen hinter mir, wurde mein Körper erstmal voll runtergefahren: Erkältung, Fieber und Schmerzen in der linken Achillessehne, Hüftsehnen und im unteren Rücken.

Ich wollte unbedingt nach Hawaii und dort ein gutes Ergebnis liefern. Aber dafür musste ich mich erstmal wieder aufraffen. In der Phase war es sehr wichtig, den Trainingsplan von außen zu bekommen, ihn nicht selber zu gestalten. Marcel selbst war etwas besorgt, ob der kurzen Zeit bis zu Hawaii. Wir gingen es aber an, wir hatten ja auch keine Wahl und es wurde wieder – praktisch auf den letzten Drücker hatte ich ein super Körpergefühl und war fit. In der Phsyiotherapie konnte ich die schmerzhafte Achillessehne aufpäppeln, die anderen Beschwerden legten sich von selbst.

Erschrocken war ich über die mentale Müdigkeit. Bis Hawaii habe ich mich diesbezüglich nicht komplett erholen können, es fehlte der letzte Wille, der Biss im Wettkampf, beim Helenesee-Triathlon und in der 2. Bundesliga hatte ich das deutlich zu spüren bekommen.

Reise

Die Reise war schnell gebucht und organisiert und nach Auskunft von Delta Airlines sollten wir den Radkoffer einfach mitbringen und einchecken.

Gesagt, getan, gab es schon in Berlin-Tegel das Problem, dass sie den Koffer ohne Vormeldung nicht mitnehmen wollten, aber wir konnten das klären. In Seattle mussten alle Fluggäste ihre Koffer entgegen nehmen, damit über durch den amerikanischen Zoll gehen. Mein Radkoffer kam aber mit Abstand als letzter zur Ausgabe, damit war der Folgeflug verpasst. Also warteten wir etwa 15 Stunden auf eine andere Verbindung, über San Francisco. Endlich auf Hawaii angekommen, kamen wir aber nicht an unsere Koffer heran, da kein Deltaflug abzusehen und damit keine Mitarbeiter vor Ort waren. Also sind wir dann später nochmal die knapp 1,5 Stunden wieder zum Flughafen und zurück. Wow, was ein Act aber wenigstens war dann alles da ????

Am nächsten Tag war ich ziemlich platt. Ich war kurz schwimmen und später locker laufen. Hier dann das nächste Übel: Ich war in der Dämmerung laufen und als mir ein Auto entgegen kam, konnte ich wegen des Fernlichts kurz nichts sehen. Ich bin direkt umgeknickt, am nächsten Tag habe ich gesehen, dass genau dort ein Loch im Straßenrand war. Puh, ich bin ja schon oft umgenkickt (einige von Euch werden sich auch erinnern ;-)) und ich wusste, dass es aber vermutlich anschwellen würde und ich damit einige Tage kein Sport machen kann, nicht mal Schwimmen geht, wegen der Überstreckung des Fußes. So kurz vorm Ziel… Ich musste an die Raelerts, Gomez und andere denken, denen ähnliches auch passiert ist. Naja, soviel Eis drauf wie geht, Voltaren usw. Am nächsten Tag war es dann soweit, der Knöchel war doch recht dick und ich konnte ihn nicht mehr bewegen.

Wir waren an dem Tag noch etwas unterwegs, abends waren wir zurück und wollten unseren Jetlag weiter ausschlafen. Aber nichts da, das elektronische Schloss unserer Ferienwohnung wollte uns nicht mehr reinlassen. Wir waren ausgesperrt, in einem recht abgelegenen Dorf südlich von Cpt. Cook. Die Vermieter haben wir nicht erreicht und der Nachbar war nicht da. Das war der endgültige Knick in der Moral, ich hatte keine Lust mehr. Wir hatten am Vormittag noch ganz kurz zufälligen Kontakt zu zwei anderen Jungs, in unserer Verzweiflung sind wir zu denen und sie haben uns tatsächlich geholfen – zwei Fremden – in eine für sie fremdes Haus einzubrechen. Was für ein Erlebnis, mitten in der Nacht waren wir dann einfach komplett durch, von all den Ereignissen, dem Schlafmangel und dem Jetlag.

Der Fuß erholte sich erstaunlich schnell, ich konnte vor dem Start unerwartet doch noch zwei Mal Radfahren und wieder Schwimmen, beides mit Vorsicht. Nur das Laufen bereitete mir bis zum Wettkampf Sorgen, ich wusste nicht, ob ich die 42km durchhalten würde.

Wir waren nun aber mal auf Hawaii und wollten uns nicht den Urlaub auch noch vermießen lassen. Also haben wir alles mögliche gesehen und bestaunt. Big Island ist schon sehr schön, nicht das Strand-Paradies wie Maui aber sehr abwechslungsreich: der Vulkanismus mit fließender Lava, die verschiedenen Klimazonen und die Landschaft sind beeindruckend, das Schwimmen mit Delphinen ebenfalls, es gibt ein paar sehr schöne Schnorchelecken und die Hawaiianische Kultur hat auch einiges zu bieten. Die sportliche Kultur haben wir weitestgehend ausgelassen, mit den herumlaufenden Kompressionssocken und Finishershirts kann ich einfach nicht viel anfangen.

Dann kam der große Wettkampftag, siehe unten. Danach sind wir praktisch direkt weiter nach Maui geflogen, um nochmal ein paar Tage „normalen“ Urlaub zu haben. Dort ist es ebenfalls ziemlich schön, nur haben wir auch hier noch 2-3 Finishershirts gesehen – ernsthaft? Zu viele nehmen Triathlon viel zu wichtig…

Der Rückflug war nochmal eine Nummer, wir mussten zuerst darum kämpfen, dass die Koffer direkt bis Berlin durchgecheckt wurden. Die wurden dann scheinbar in Seattle einfach im Regen stehen gelassen: als wir daheim angekommen sind, mussten wir feststellen, dass die beiden normalen Koffer inklusive Inhalt komplett durchnässt waren. Kameras und Laptop hatten wir in unserem Hangepäck aber ein Ladegerat ist kaputt gegangen, Papierkram ebenfalls. Nur war das leider nicht alles, mein Fahrradkoffer ist bis zum Zeitpunkt dieses Schreibens noch nicht aufgetaucht …  noch hoffe ich, aber nach den Erlebnissen rechne ich aber mit allem ????

Daphne und ich sind ja bisher schon gut rumgekommen, auch außerhalb von Europa. Aber so etwas, zumindest in dieser Ballung, hatten wir bei weitem noch nicht erlebt. Übrigens wurde mein Radkoffer nach jedem einzelnen Checkin geöffnet, also mindestens 3 Mal. Dass ich jedes Mal verdächtigt wurde, im Gegensatz zum Prinzip der Unschuldsvermutung ist ja die eine Sache, die mir immer mehr aufstößt (Terrorismus? CO2-Kartuschen trotz meiner Verneinung? Was auch immer?). Aber dass die Beamten nicht wissen, wie sie den Koffer wieder richtig einräumen oder gar verschließen, ohne z.B. die Laufräder zu sehr zu belasten, macht mir doch Sorgen.

Der Wettkampf

Michael Eder/FAZ: „Was macht den Reiz dieses Rennens aus? Seine Strahlkraft? Die Organisation des Ironman Hawaii ist mäßig, die produzierten Fernsehbilder sind ein Witz, Zuschauer gibt es auch nicht viele auf Big Island. Das spielt aber keine Rolle…“ hier Zuende lesen: http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/mythos-ironman-tausend-geburtstage-14473497.html

Spätestens bei der Warmup-Party wird man richtig gepusht, vermutlich auch schon vorher aber das ein oder andere Event hatte ich ja ausgelassen. Jeder spürt, dass man Teil von etwas Besonderem geworden ist und das habe ich sehr genossen.

Man sollte am Morgen viel Zeit mitbringen, das ganze Procedere mit Nummer aufkleben, wiegen (warum eigentlich?), Sonnencreme und den anderen üblichen Startvorbereitungen dauert ziemlich lange, z.B. im Gegensatz zum IM Frankfurt.

Ich schwamm beim Startschuss in dritter Reihe los, habe mich wohl ganz gut eingeordnet, rauh wurde es zwar schon aber ich konnte mich gut wehren und sah auch Lücken, sprich ich konnte recht schnell mein Ding durchziehen. Nur mein Knöchel meldete sich, die Überstreckung ist doch stark und ich hatte leichte Schmerzen. Nach 1km spüre ich nichts mehr, es hatte sich wohl gesetzt.

Bis zur Wende musste ich ab und an Wasser aus der Brille lassen. Auf dem Rückweg schwimmt man dann anders in die Wellen, nach einer Weile wurde mir schlecht – dachte ich zumindest und ich bekam etwas Kopfschmerzen. Ich wurde langsamer und komme irgendwann darauf, die Badekappe hochzuschieben – das war die richtige Idee, ich konnte wieder beschwerdefrei Gas geben.

Der erste Wechsel war eine Ernüchterung, mein Fuß war nun die Überstreckung gewohnt und die ersten Schritte mussten das wieder korrigieren – ich hatte die ersten 2-3 Minuten wieder Schmerzen. Ich ließ mir beim Wechselzelt Zeit, bekam auch nochmal Sonnencreme aufgetragen.

Auf dem Rad hatte ich ein ganz gutes Gefühl, hier sollte es gut gehen. Dennoch wurde ich bei den ersten Steigungen vielfach überholt. Alle wollten den IM gewinnen. Nach etwa 20km fuhr ich über ein unscheinbares Stück Plastik und sofort brach großer Alarm an meinem Hinterrad los. Das Stück hat sich in der Hitze an meinem Mantel festgeklebt. Ich halte an, reiße es ab und fahre weiter. Beim Wiegetritt bremste mein Hinterrad nun deutlich. Ich bin noch zwei Mal abgestieben, um iregndwann festzustellen dass mein Mantel am Rahmen schleift, dank dem Plastikteil. Ich hab also das HR ausgespannt und etwas nach hinten verschoben, dann ging es endlich wieder.

Danach war ich mittendrin. Bis 50/60km war alles eine einzig große Masse. Jeder konnte nur Windschatten fahren, alle waren mitschuldig und irgendwie auch nicht, so viele kommen nun mal selten zusammen aus dem Wasser. Dann kam aber der Mumumuku, gewaltig und von vorne rechts. Windschatten gab es nicht mehr, jeder war auf sich alleine gestellt. Ein paar Gruppen blieben scheinbar noch zusammen aber die meisten fuhren dann recht fair. Der Wind ist nicht ohne, wir fuhren zwischendurch nur 25-29km/h. Nach dem Wind ging es schon in die Steigung nach Hawi, dem Wendepunkt. Das zieht sich lange hin und war auch mit etwas Gegenwind. Oben angekommen hatte ich einen Schnitt von etwa 33,5km/h. Aber nun ging es mit Rückenwind bergab, fast 20km lange. Wieder zurück unten, war ich schon wieder bei 35km/h und mit 20km weiteren Rückenwinds war ich fast bei 36km/h. Insgeheim hoffte ich nun auf 5 Stunden. Die Rechnung war aber ohne die letzten 20km, hier kam der Wind nochmal fast direkt von vorne. Seit Hawi war ich auch nur noch am Überholen, am Ende bestimmt 200 Starter oder mehr, ganz viele hatten sich überschätzt.

Beim Wechsel merkte ich direkt, dass das mit dem Laufen nichts wird. Ich hatte ziemlich schwere Beine, vermutlich wegen fehlendem Taperings und vielleicht auch dem Wetter. Der Laufstart war dann doch nicht so schlecht, ich konnte mich auf einen 3:10-15 Marathon einpendeln. Der Knöchel hielt, ich musste nur sehr konzentriert den Fuß nach vorne führen, um Drehbewegungen zu vermeiden. Nach ein paar Kilometern hat die Hitze voll eingeschlagen, ich musste mich etwas bremsen, weil mir ziemlich heiß wurde. Inzwischen war ich auf einen 3:30 Marathon-Kurs. Bei etwa 8km treffe ich Familie Kurt und Daphne, ich hab kurz angehalten, 10s gequatscht. Das tat gut, sie haben sich alles so gefreut mich zu sehen ????

Weiter, meine Beine wurden noch schwerer, ich habe angefangen ans Aussteigen zu denken. Zum Glück gingen die Schmerzen im Knöchel nun ganz weg. Ich konnte mich also aufs Durchhalten konzentrieren und das war hart genug. Wann habe ich das letzte Mal so gelitten? Ich weiß es nicht. Ich habe mir viele kleine Ziele gesetzt, habe ganz bewusst jede Verpflegungsstation genutzt. Nach einer Ewigkeit kam der Halbmarathon und eine kurze Rechnung später erkannte ich, dass noch ein Sub-10-Finish drin ist – ein sehr motivierender Gedanke. Bis 30km musste ich mich aber noch quälen, dann kam es langsam von alleine, auch der Ausstiegsgedanke war langsam dahin. Ich hatte zum ersten Mal einen Flow, normalerweise ist das häufiger und länger. Die letzten 12km waren dann wirklich deutlich leichter und ich war immernoch auf Kurs 9:50, sehr schön. Endlich bekam ich, ganz leicht, das schöne Gefühl des Dabei-Seins, worauf ich schon viel früher gehofft hatte. Auf dem Ali‘i Drive treffe ich nochmal meine Fans, ich halte wieder kurz bei denen an und laufe dann ins Ziel. Richtige Freude? Noch nicht so richtig, eher Leere. Im Zielbereich brauchte ich fast eine halbe Stunde, bis ich wieder klar kam und irgendetwas zu mir nehmen konnte. Gleichzeitig kommt doch endlich das Glücksgefühl, ich quatsche mit 2-3 Finishern. Ich habe Hawaii geschafft, trotz aller Umstände und das sogar gar nicht so schlecht, wie es sich die ganze Zeit angefühlt hat.

Fazit

Trotz aller Widrigkeiten waren es 2 schöne Wochen. Komme ich wieder? Vielleicht schon, aber jetzt will ich erstmal genießen, nicht an Qualis denken zu müssen und auch mal woanders starten zu können (Challenge, …).

Vielen Dank an Marcel, er hat sich viel einfallen lassen, um mich aus dem Frankfurt-Loch zu bekommen und es hat praktisch auf den Punkt hingehauen.

Besonderer Dank geht an Daphne und die Familie Kurt. Es muss hart gewesen sein für Sebastian und seine Fam, dass er es nicht geschafft hat. Umso mehr freute es mich zu sehen, wie glücklich sie waren, mich anzufeuern. Auch für Daphne war das super, die sonst alleine an der Strecke gewesen wäre.

Viele von meinen Freunde und von meiner Familie haben tatsächlich das erste Mal in den Hawaii-Livestream geschalten und einige waren durchaus begeistert wie spannend es vorne war, auch wenn ich vermeintlich nicht zu sehen war (Die Geübten haben mich wohl 2 Mal ganz kurz gesehen :-)). Auch das freut mich sehr, danke dafür!

Danke an Ronny von Laktak³ für den Swimsuite, das hat sich sehr gut geschwommen!

PS: Mein Handy hat leider nicht funktioniert, falls mir jemand eine SMS geschrieben hatte, ist die verloren gegangen

PPS: Bilder von Familie Kurt und Daphne

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